Nicht machen, wachsen lassen!

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/  30. September 2014  Briefe, Neues Testament, Paulus  , , , ,

Wenn der Alltag stressig ist und wir unter Erfolgsdruck stehen, dann geht die Maxime „Ich schaff das ganz alleine!“ nicht immer auf. Christian Schramm hat die Erfahrung gemacht: „ich kann mein Bestes geben – aber der Erfolg liegt schlussendlich nicht in meiner Hand“. Vor diesem Hintergrund ist seine Bibelstelle für ihn ein Entlastungsventil, manchmal aber empfindet er dieses Wort auch als Zumutung.

Gott aber ließ wachsen.

1. Korintherbrief 3,6

Einsender
Name: Christian Schramm
Alter: 37 Jahre
Ort: Hildesheim

Das erste Mal in Berührung gekommen bin ich mit dieser Bibelstelle am Anfang meines Theologiestudiums. Zusammen mit einer Studienkollegin trat ich, quasi als „lebendige Anschauungsobjekte“, bei einer Veranstaltung der Berufungspastoral auf. Und deren Motto lautete: „Gott lässt wachsen“, symbolisiert in einer vielfarbigen Blume.

Nach dieser ersten Begegnung begleitete mich das Bibelwort durch mein Studium, mein Leben und auch durch meine Tätigkeiten in Universität und Bibelpastoral – mal mehr, mal weniger intensiv. Aber es ist immer im Hintergrund da, manchmal heilsam, manchmal herausfordernd-zumutend.

Ich bin von meinem Naturell her eher etwas perfektionistisch veranlagt, was zum Beispiel die Vorbereitung von Veranstaltungen angeht. Ja, man kann mich in manchen Situationen geradezu als „Stresser“ bezeichnen. Da kommen ab und an Nervosität, Anspannung, Erfolgsstreben, Machbarkeitswahn und das Denken, dass ich durch entsprechende Anstrengungen den Erfolg geradezu herbeizwingen kann, zu einer ungesunden Mischung zusammen. Der Puls steigt, Schweißperlen auf der Stirn, der Stress ins Gesicht geschrieben. Wie wohl tut es da, wenn mich mein Bibelwort auf den Boden (der Tatsachen) zurückholt: „Gott lässt wachsen.“

Ich kann viel tun, ich kann mich mühen, ich kann mich anstrengen, ich kann mein Bestes geben – aber der Erfolg liegt schlussendlich nicht in meiner Hand, das Gelingen ist nicht machbar, nicht erzwingbar, nicht einklagbar. Das gilt für viele Lebens- und Arbeitsbereiche, das gilt meiner Erfahrung nach besonders für die Arbeit mit der Bibel und mit Menschen. Erzwingen lässt sich da nichts. Das kann entlasten. Das kann ganz viel Druck rausnehmen. Das lässt mich aufatmen, das lässt mich vertrauensvoll in Gottes Hand legen, was meine eigenen Hände heillos überfordern würde. Einmal kräftig durchschnaufen. „Gott lässt wachsen.“ So wie im Markusevangelium 4,26–28: Über Nacht, von selbst bringt die Erde Frucht hervor. Und manchmal ist dies 30-fache, 60-fache oder 100-fache Frucht (Markusevangelium 4,8.20) – das hat der Säende nicht in seiner Verfügungsgewalt.

Dies befreit mich. Gleichzeitig erfordert dies auch eine Einübung in Demut: Wenn sich Erfolge einstellen, dann ist dies eben auch Gottes Werk. Wenn ich mich entlasten lasse, dann kann ich nicht umgekehrt alles Gelingen rein auf meine Fahnen schreiben: „Gott lässt wachsen“, oder – und das ist ebenfalls keine einfache Kost – eben auch nicht. Wenn es nicht so läuft, wie ich es geplant und konzipiert habe, dann kann das an mir liegen – muss dies aber nicht. In manchen Situationen bin ich verantwortlich, in manchen aber eben auch nicht – weder bei Erfolg noch bei Misserfolg. Gottes Geist weht, wo er will, Gottes Wege sind andere als unsere menschlichen Wege – auch wenn mir das manchmal gar nicht in den Kram passt. „Gott lässt wachsen.“ Ein heilsames Wort für mich, gerade im Arbeitsalltag.

Manchmal ist dieses Wort aber auch eine Herausforderung für mich, ja eine Zumutung. Und zwar dann, wenn mein Wunsch, dass etwas wachsen möge, so übermächtig stark ist, dass die gegenteilige Option für mich inakzeptabel ist. Dann fällt es mir sehr schwer, anzuerkennen, dass ich an Grenzen stoße, die ich nicht überwinden kann. Dass es wirklich ganz bei Gott liegt, ob etwas wächst oder nicht. Dass das Wachstum letztlich in Gottes Händen liegt. Dass ich nichts tun kann, außer Gott meine Bitten flehentlich hinzuhalten, ja manchmal entgegenzuschreien. Und doch muss ich damit leben, wenn es nicht so kommt, wie ich es mir sehnsüchtig wünsche. Auch wenn mich Schmerz und Trauer nahezu zerreißen und auffressen. „Gott lässt wachsen.“ – Doch die Hoffnung auf Gott versiegt nie ganz.



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