Westmauer

Im Blick zurück nach vorne

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/  31. Oktober 2014  Altes Testament, Geschichtsbücher  , , , ,

Religiöse Gebäude werden meist mit Gebeten eingeweiht. Das war Mitte August 2014 so bei der Wiedereröffnung des Hildesheimer Mariendomes. Die Bibel überliefert ein Einweihungsgebet Salomos für den Jerusalemer Tempel. Dieses Gebet durfte Magdalena Kneisel für eine Uniarbeit genau unter die Lupe nehmen. Und siehe da: Das über 2000 Jahre alte Gebet regt sie zum Nachdenken über Gott und das eigene Leben an.

Dann trat Salomo in Gegenwart der ganzen Versammlung Israels vor den Altar des Herrn, breitete seine Hände zum Himmel aus und betete: ...

1. Buch der Könige 8,22–23

Einsender
Name: Magdalena Kneisel
Alter: 26 Jahre
Ort: Duderstadt

Wenn es eine Bibelstelle gibt, die mich wohl die längste Zeit am Stück beschäftigt und im positiven Sinne verfolgt hat, dann ist es das sog. Tempelweihgebet Salomos (1Kön 8,22–61). Für meine Diplomarbeit habe ich es auseinandergenommen und mit klugen Menschen nachvollzogen, wo und wie es entstanden und fortgeschrieben sein könnte, was die Lebenssituation der Menschen war, die es aufgeschrieben haben.

Wenn ich an diese Zeit des Schreibens denke, dann fallen mit aber vor allem viele liebe Menschen ein, die mich in dieser Zeit begleitet haben – beim Kaffeetrinken in den Arbeitspausen, beim Korrekturlesen in der Endphase, bei den Nachfragen im Gedankenchaos auf dem Papier und dem Finden von logischen Lücken, in der positiven wie zurückhaltenden Ermutigung durch Freunde und Betreuer. Ich denke an Freundschaften, die ich in dieser intensiven Arbeitszeit geschlossen habe und die mich auch darüber hinaus begleiten. Nicht zu vergessen auch die vielen „alten“ Freunde, die mir die Treue gehalten haben, wenn ich auch hin und wieder unausstehlich war – kleine Gesten, Hilfen, die mich aufgebaut haben.

Im Rückblick erinnert mich also meine Lebenssituation immer wieder an diese Zeit und diese Bibelstelle – auch und gerade wenn sich meine Lebenssituation wandelt und mich darüber nachdenken lässt, wie mein Glaube, mein Gott in diese Lebenssituation hineinspielt – wirkt.

Und auch wenn mich über 2000 Jahre von der Entstehung des Tempelweihgebets Salomos trennen, so sind es doch genau diese gemeinsamen Fragen, die mich immer wieder erstaunen lassen: (Wie) Ist Gott in meinem Leben sichtbar? Wie wirkt sich mein Handeln auf meine Gottesbeziehung aus? Wie wirkt sich Gottes Handeln auf meine Lebenssituation aus?

Wenn ich in meiner Diplomarbeit davon ausgegangen bin, dass anhand von sprachlichen Formulierungen und sich verändernden Gottesvorstellungen und Motiven verschiedene Abfassungszeiten im Tempelweihgebet erkennbar werden, dann wird auch für mich deutlich, dass sich Gottesbeziehung wandelt. Eine Grunderfahrung aus einer bestimmten Zeit wurde festgehalten und aufgrund von sich wandelnden Umständen fortgeschrieben. Und hin und wieder merke ich ganz deutlich, dass es auch bei mir so ist. Ich bin froh und dankbar, dass es momentan bei mir nicht eine zerstörte Lebenswirklichkeit von Tempel, Deportation und Absetzung der bestehenden Herrschaftsformen ist – wie zu einer Abfassungszeit des Tempelweihgebets –, aber Ortswechsel und die erste Arbeitsstelle haben mich durchaus geprägt und gewandelt.

Wenn ich davon ausgehe, dass am Ende der letzten Fassung des Tempelweihgebets eine positive Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft mit Gott und eine Hoffnung auf positiven Wandel in der Lebenssituation der Menschen steht, dann wird auch für mich spürbar deutlich, in allen Unwirklichkeiten und offenen Fragen über die Zukunft gibt es auch für mich Hoffnung auf sich verändernde Lebensumstände auch für all diejenigen, die mich begleiten – damals beim Schreiben meiner Diplomarbeit und auch heute.

Glaube, Gottesbeziehungen und auch Erklärungsmodelle wandeln sich mit den Lebensumständen vor 2000 Jahren und auch heute in meinem Leben. Und genau dieser Aspekt macht mir Mut. Ich bin gespannt, welche Wandel ich in meinem Leben noch erleben darf.



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