St. Michael Dingelbe

Ein Traum von Kirche

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/  9. Dezember 2014  Evangelien, Neues Testament  , , , , ,

„Träume sind Schäume“, sagt der skeptische Volksmund. Andererseits: Wer keine Träume hat, der verändert auch nichts. Träume können ein großes Anschubpotenzial entfalten. So träumt Hendrik Janßen von einer Kirche der Zukunft – angeregt durch ein Bibelwort. Und er stellt uns schlussendlich die entscheidende Frage: „Wovon träumen Sie?“

Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben.

Matthäusevangelium 5,14

Einsender
Name: Hendrik Janßen
Alter: 48 Jahre
Ort: Hannover

In einem Seminar ging es um das Thema „Kirchenträume“. Unsere Kirche braucht Träume und Wünsche, ohne diese gäbe es keine Entwicklung. Träume und Wünsche können aber auch gefährlich sein, wenn sie von Egoismus oder Ähnlichem geprägt sind.
Jede/r sollte innerhalb einer Stunde seinen persönlichen Kirchentraum finden und ihn den anderen vorstellen. Nach kurzem Überlegen kam mir dieser Satz in den Sinn, Kirche als Stadt auf dem Berg.
Diesen Text, der keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat, möchte ich Ihnen gerne vorstellen.
Im Anschluss daran kommen ein paar Erläuterungen zu dem Text.

Kirchentraum

Ich träume von einer Kirche,
die Stadt auf dem Berg ist.
Sie ist weithin sichtbar
und lädt zum Wohnen ein.

Es gibt viele verschiedene Wege,
um auf den Berg hinauf zur Stadt zu gelangen;
manche sind gerade und ausgetreten,
andere verschlungen und schmal.

Die Stadt hat keine Stadtmauer,
sie ist Stadt in der Welt und für die Welt.

Es gibt keine leerstehenden, fertigen Häuser
in der Stadt, die auf Bewohner warten,
aber Baumaterial in Hülle und Fülle.
Jede/r kann sich sein/ihr Glaubenshaus
aus diesem Material bauen,
so wie er/sie es möchte.
Diese verschiedenen Häuser werden in der Stadt
als Bereicherung erfahren,
nicht als beängstigend oder Konkurrenz.

Ich träume von einer Kirche,
die Stadt auf dem Berg ist,
in der Leben möglich ist für alle Menschen
unabhängig von Geschlecht oder Alter,
in der es kein oben oder unten gibt,
in der jede/r aufeinander hört
und man so miteinander den Glaubensweg geht.

In der Stadt gibt es als Mittelpunkt einen Platz.
Hier kann man einander begegnen,
wenn man dies möchte.

Gott hat kein Haus in dieser Stadt,
keinen Ort, wo man ihn festmachen kann.
Er ist überall in dieser Stadt zu finden,
in den Häusern, auf den Straßen.
Auch in den Begegnungen zwischen den Bewohnern
spürt man seine Gegenwart.

Ich träume von einer Kirche,
die Stadt auf dem Berg ist,
in der niemand sagen kann,
er/sie sei wunschlos glücklich.

Ich träume von einer Kirche,
träume ich allein?

Soweit der Kirchentraum. Es gibt mit Sicherheit noch viele andere Möglichkeiten. Vielleicht regt dieser Traum ja andere an, einen eigenen Traum von Kirche zu entwickeln und zu leben.

Ein paar Erläuterungen:
Das Baumaterial für die Glaubenshäuser ist das Fundament christlichen Lebens: Gottesliebe, Nächstenliebe und die vergessenen drei Worte – „wie dich selbst“, also Selbstannahme.
Ein Glaubenshaus, welches aus diesem Material gebaut ist, ist ein christliches Glaubenshaus.

Warum, so wurde ich mehrfach gefragt, darf in einer Kirche niemand wunschlos glücklich sein?
Wenn in einer Kirche alle wunschlos glücklich sind, ist die Kirche fertig ... entweder im Sinne von vollendet und das wird, solange wir Menschen ein Wörtchen mitzureden haben, niemals der Fall sein, oder so fix und fertig, dass für Träume und Wünsche kein Platz mehr ist.

Unsere Kirche muss in der Welt stehen und einen festen, sichtbaren Platz in der Welt haben. Sie lebt immer in der Spannung, die alte Botschaft in die neue Zeit zu übersetzen. Zudem muss sie sich immer hinterfragen, was von den Neuerungen der heutigen Zeit ist für die Kirche wichtig, über was lohnt es sich, wenigstens nachzudenken und was steht der Botschaft Jesu absolut entgegen, sodass die Kirche hier auch öffentlich Position beziehen muss.

Jede/r von uns ist ein Teil dieser Kirche, daher zum Schluss die Frage: Wovon träumen Sie?

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Bild: Kirche St. Michael Dingelbe (Foto: AEROcamera Niedersachsen)



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